| Bass Sultan Hengzt - "Mein Land heißt Berlin!" |
| Geschrieben von: Mareen Wordoff | |||||
| Dienstag, 30. Juni 2009 um 19:49 | |||||
![]() 19/250 - Gesichter deutscher Rap-Kultur: Die letzte Woche war gazettentechnisch mal wieder vollgepackt mit wahrlich dramatischen Meldungen... Es gab wohl keinen Tag, an dem man mit ruhigem Gewissen die Tageszeitungen aufschlug und diese sich nicht mit tragischen Headlines überschlugen. Wen interessieren da noch die Sorgen und Nöte des kleinen Mannes? Scheinbar niemanden. Die Welt vergisst sich für einen Moment selbst und leidet gemeinschaftlich. Man rückt wieder ein Stückchen zusammen und ist sich einig: Außenpolitisch wie auch zwischenmenschlich. Auf sämtlichen Nachrichtenkanälen und Community-Plattformen gibt es seit Tagen nur zwei Themen: Die blutigen Geschehnisse im Iran und der Tod einer oft ausgelachten, nun wieder heißgeliebten Pop-Legende, Michael Jackson. Letzteres Thema ist im Anbetracht der Menschen, die momentan für ein bisschen mehr Freiheit im Iran, ihr Leben lassen wohl nebensächlich. Aber der King of Pop war ein Ausnahmetalent, ohne Zweifel. Dennoch war er wohl auch ein sehr einsamer Mensch und wurde in den letzten Jahren oft zum Gespött derer, die ihn in diesen Momenten so sehr umtrauern. Es scheint ein Phänomen, dass einige Künstler nach ihrem Ableben zu noch größeren Helden oder Idolen werden als sie es zu Lebzeiten waren. Wahrscheinlich liegt es daran, dass unsere Phantasie diese Menschen zu noch besseren, talentierteren und unersetzlicheren macht als sie es eigentlich waren. Die Schlacht um Michael Jackson jedenfalls wird sicher noch ein paar Wochen andauern.Nun gut, ich verabschiede mich vorerst von euch für eine 3-wöchige Sommerpause. Natürlich werde nicht die ganze Zeit auf der faulen Haut liegen sondern diese nutzen um auf dem diesjährigen Splash! Festival noch ein paar Gesichter der deutschen Rap-Kultur für euch auszufragen. Aber bevor es richtig wild wird, habe ich in einem sehr ehrlichen und persönlichen Interview mit dem Berliner Rapper Bass Sultan Hengzt gesprochen. Er erzählte mir, wie er mit persönlichen Niederlagen umgeht, über das Problem als Deutscher mit türkischen und italienischen Wurzeln heimatlos zu sein und über den schönsten Augenblick seines Lebens als seine Eltern ihm sagten wie stolz sie auf ihn sind. In diesem Sinne: Passt auf euch auf und genießt, alles was kommt. Auf den Sommer unseres Lebens! WildstyleMag.com: Viele Rap-Hörer, aber auch Künstler sind noch sehr jung und gerade dabei erwachsen zu werden. Hat dir Rap-Musik dabei geholfen erwachsen zu werden? Bass Sultan Hengzt: Meine eigene Musik hat mir dabei sehr schon geholfen. Erst nachdem das Musik machen zu meinem Beruf wurde, habe ich angefangen mir mal Gedanken über meine Zukunft zu machen. Davor habe ich einfach nur in den Tag hinein gelebt. Ich hatte kein Bock auf Arbeit, Lehre oder sonstiges. Mein Leben bestand nur aus Partys und daraus irgendwie illegal Geld zu verdienen und dann das Geld genauso schnell wieder auszugeben. Erst als ich zum ersten Mal legal durch die Musik Geld verdient habe, hat es bei mir Klick gemacht. Man könnte echt sagen, ich bin somit von heute auf morgen erwachsen geworden. Anstatt mich draußen rumzutreiben und irgendeine Scheiße zu bauen, habe ich mich im Studio eingeschlossen und Musik gemacht. Ich habe mir Gedanken über mein Leben und meine Karriere gemacht. Ich weiß nicht genau voran es lag, aber im Nachhinein glaube ich, dass ich zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal das Gefühl hatte, ich bin wirklich zu etwas zu gebrauchen. Und da wollte ich dran bleiben. WildstyleMag.com: „Was dich nicht umbringt, macht dich stärker.“ Bist du jemand der nach einem Fall schnell wieder aufsteht oder kämpfst du lange mit Niederlagen? Bass Sultan Hengzt: Oh ja! (grinst) Ich brauche lange bis ich nach einer Niederlage wieder aufstehen kann. Ich hasse es, wie wahrscheinlich viele Menschen, zu verlieren. Egal was ich mache, ich bin mir eigentlich immer sicher, dass es klappt. Und wenn das nicht der Fall ist, dann bin ich immer am Boden zerstört. Ich mache mir oft zu viele Gedanken anstatt einfach weiter am Ball zu bleiben. Wenn ich dann aber siege, bin ich echt so ein Typ der rum rennt und alle mit seinen „Ich habe euch doch gesagt, dass es klappt!“ Sprüchen nervt. Sollte es andersherum sein, verkrieche ich mich immer in mein Loch zurück und komme da auch erstmal nicht raus. Das ist echt eine Schwäche von mir. Da muss ich unbedingt dran arbeiten. Aber ich bin, im Großen und Ganzen, mit meinem Leben zufrieden. Ist zwar nicht immer alles zu Gold geworden, was ich angefasst habe, aber mindestens immer Silber. (grinst) WildstyleMag.com: Du bist in Deutschland geboren, deine Eltern stammen aus der Türkei und aus Italien. Wie multikulturell fühlst du dich? Bass Sultan Hengzt: Egal wo ich bin, ich werde nirgendwo akzeptiert. Weder in der Türkei als Türke, in Italien als Italiener oder hier in Deutschland als Deutscher. Wie soll man sich da fühlen? (blickt nachdenklich zu Boden) Aber ich hab schon lange damit aufgehört zu suchen wo mein Platz ist. Ich fühle mich als Berliner. Berlin ist multikulti pur und hier fühle ich mich zuhause. Berlin ist mein Land! WildstyleMag.com: Du unterstützt die Initiative „Stopp Tokat“ gegen Gewalt und Raub in Kreuzberg. Wie wichtig ist dir diese Organisation? Bass Sultan Hengzt: Es freut mich, wenn ich ein wenig helfen kann. Ich will niemanden erziehen oder die Welt verändern. Aber wenn ich in der Vergangenheit den einen oder anderen dazu bewegt habe einen Song aufzunehmen anstatt einem Menschen den Schädel einzuschlagen, ist das viel wert. Ich helfe da wo ich kann und wenn mich jemand fragt, ob ich ihn helfen kann und ich einen Sinn dahinter sehe, bin ich der Allererste der mit anpackt. WildstyleMag.com: Welcher Moment in deinem Leben war rückblickend für dich der Schönste? Bass Sultan Hengzt: Ganz klar als mein Vater mir gesagt hat, das er stolz auf mich ist. Ich wollte immer, dass er stolz auf mich ist. Alles was ich tue, tue ich für meine Familie. Ich würde ihnen mein Leben schenken. Es gab viele Momente in meinem Leben, da waren meine Eltern kurz davor mich zu enterben, denn ich war eine zeitlang echt anstrengend. Ich habe viel Mist gebaut, jahrelang habe ich nichts auf die Reihe bekommen. Der übrigens schlimmste Tag in meinem Leben war als meine Mutter zu mir gesagt hat, dass ich langsam wie mein Onkel werde. Also, nichts gegen meinen Onkel, er ist echt ein super Typ und so, aber die Sache ist, dass er 13 Jahre wegen Mord im Gefängnis verbrachte. Dieser Spruch hat sich echt über Jahre in mein Kopf gebohrt. Deshalb war es eine Erlösung endlich zuhören, dass meine Eltern stolz auf mich sind. WildstyleMag.com: Ich danke dir! http://www.myspace.com/sultanhengzt WEITER GEHT ES AM 20. JULI: „GESICHTER DEUTSCHER RAP-KULTUR SPLASH! SPEZIAL!“
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Kommentare (4)
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neun millimeter
said:
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| gute fragen...ehrliche antworten...hätt ich nich erwartet...rap braucht eben doch kein abitur ne;) |
inyoface
said:
| killa interview...aber hengzt is trotzdem ein überschäzter rapper...vieleicht is ja sein neues album besser...egal... |
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