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Seite 1 von 3  Es ist Freitag, der erste Tag des splash! Festival 2008: Ercan Kocer veröffentlicht sein Mixtape "I Am Legend", gedacht als Best Of-Zwischenstand einer Laufbahn, die im Alter von 14 mit chrom-roten Graffitis in der Kleinstadt Wesel begann, und die ihn heute zum "ersten Mann hinter Savas" gemacht hat: Ercandize über den Dortmund-Style, warum er inzwischen weitestgehend auf Schimpfwörter verzichtet und wieso er mit persönlichen Liedern nicht zur Veronica Ferres der Rap-Szene werden will.
CD "Best of Ercandize Vol. 2 - I Am Legend" jetzt bestellen! WildstyleMag.com: Erc, was weniger bekannt ist: Du bist oder warst Graffiti Writer. Stehst du ab und zu noch an der Wand? Fällt hier oder da noch ein Sketch ab?
Ercandize: Sketchen tue ich immer wieder wenn ich am Schreibtisch sitze oder mir beim Texten partout nichts einfallen will. Diese Situation gibt es auch im Studio: Wenn ich in die Luft schaue und gerade keine Idee zu einem Beat habe, entsteht in der Regel immer ein Sketch. An der Wand stand ich aber bestimmt seit zwei Jahren nicht mehr.
WildstyleMag.com: Denkst du gerne an deine aktive Zeit zurück?
Ercandize: Absolut. Das waren zehn Jahre, die mit die schönste Zeit in meinem Leben ausgemacht haben. Man war freier als heute und hat sich sehr wohl gefühlt in seiner Position. Damals musste man sich weniger Gedanken über alles machen und hat einfach sein Ding durchgezogen. Rap kam in dem Sinne nicht dazwischen. Die Interessen haben sich einfach irgendwann verlagert.
WildstyleMag.com: Wer waren deine Einflüsse?
Ercandize: Als kleiner Junge waren das vor allem die Hip Hop Jams, und mit einem meiner persönlich größten Einflüsse hast du mich gerade eben noch gesehen: Atom One. Fasziniert hat mich immer der typische Dortmund-Style, die sauberen Block-Letter, die gerade gezogenen Outlines - kein Schnickschnack, kein WildStyle. Berlin hat einen natürlich auch angeregt für neue Ideen, aber mir war mir der Style zu künstlerisch. Graffiti bestand für mich aus Chrom, Silber, einer roten oder schwarzen Outline - fertig, nächstes Bild. Mode2 aus Frankreich mag ich bis heute sehr, aber der Haupteinfluss war definitiv Dortmund.
WildstyleMag.com: Gab es damals überhaupt sowas wie eine Graffiti-Szene in Wesel?
Ercandize: Nein, es gab nur vereinzelte Sprüher. Dafür war Wesel im Ruhrpott bekannt für sein extrem gutes Yard, womit ich natürlich nie was zu tun hatte (schmunzelt). Die Zeiten wurden dann irgendwann härter, aber das Ruhrgebiet war im allgemeinen eine sehr schöne Gegend um sein Ding zu machen.
WildstyleMag.com: Wie hast du damals mit Graffiti angefangen?
Ercandize: Da war ich 14. Der ältere Bruder eines Freundes, der heute ein weltbekannter Tätowierer ist, kam aus Wuppertal. Dem haben wir immer zugesehen. Ich saß auf dem Boden und habe Cola getrunken, während er an der Wand stand. Manchmal hat er uns dann mitgenommen, wenn er unter irgendwelchen Brücken in Düsseldorf gemalt hat. Und in Köln fanden regelmäßig Hip Hop Jams statt. An den Wänden standen Seak, Atom, CanTwo, Dash, Daim, Toast usw. - die habe ich studiert, das war mein Lehrbuch. 
WildstyleMag.com: Wirst du jetzt am Wochenende auch mal rübergehen zum Write4Gold?
Ercandize: Vielleicht. Ich habe mir noch nie ein Write4Gold wirklich in Ruhe angesehen. Vor drei Jahren war ich mal drüben, weil mein guter Freund Poet von GFA dort gemalt hat, aber Contests geben mir in der Regel nicht so viel. Ich finde es schön anzusehen, aber sonst ist das eigentlich nicht meine Welt.
WildstyleMag.com: Warum die Verlagerung von Graffiti zu Rap?
Ercandize: Ich sag dir ehrlich, es gab irgendwann wildere und begabtere Typen als mich. Schlecht war ich ja nicht, aber ich hatte keine Lust mehr dem Druck standzuhalten, immer noch einen draufsetzen zu müssen. Dazu kam der Stress mit anderen Sprühern oder mit der grünen Gang. Zum Rappen bin ich ursprünglich über die alten Sachen von Ice Cube, Ice-T gekommen und habe dann selbst mal angefangen zu texten. Grundsätzlich: Wenn ich etwas mache, versuche ich das immer einhundert prozentig ernst zu nehmen, und irgendwann hat es mit Graffiti einfach nicht mehr gepasst.
WildstyleMag.com: Das erste ABS-Album "Kinderspiel - Leichter getan als gesagt" ist damals (2001) auf Platz 46 der Charts eingestiegen. War das ein Riesenerfolg für euch?
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