Hammer & Zirkel - Erziehungssache
Geschrieben von: pasu   
Montag, 21. Juli 2008 um 10:09
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German American Gangster - Mixtape Special Pt.2 - Eigentlich vertreten sie die Spaßfraktion bei Plattenbau Ost, rappen über die Probleme von Dicken in den engen Badezimmern der Plattenbauten. Doch als gelernte Erzieher sind Hammer und Zirkel näher an der Jugend dran als so manch anderer. Ein Gespräch über die Thematisierung des Ostens, Kinder die ihre Grenzen austesten, verpixelte Videospiele auf dem C-64 und welche Erfahrungen sie in ihrem Beruf machen: "Für uns ist das Internet eine lustige Sache, für die Kids ist es die Hölle."

WildstyleMag.com: Hammer & Zirkel - muss man so einen Namen tragen, um bei einem Label welches Plattenbau Ost heißt zu arbeiten?

Hammer: Wir sagen immer ganz ehrlich wie es ist. Vorher gab es "G-Fu & Sneezy". Im Rahmen eines Brainstormings haben wir dann versucht alles bestmöglich zu verbinden, um das als Paket dem Endverbraucher sozusagen auf die Stirn zu kleben. Manche Ideen waren zu hart, andere zu doof, letztendlich konnten wir uns gut auf Hammer & Zirkel einigen. Es war klar, dass der alte Name nicht mehr zum neuen Label gepasst hat. "Westberliner Superrappers" hätte nicht wirklich gepasst.

Zirkel: Aber so können wir uns immer noch nennen, wenn wir irgendwann vielleicht das Label wechseln (lacht).

Hammer: Auf jeden Fall!

Zirkel: Wenn wir dann auf einem Gangster Rap-Label sind. Wir versuchen uns natürlich dem Image unseres Labels anzupassen, sonst verkauft man ja nichts mehr. Andererseits verkauft man heutzutage eh nichts mehr. Insofern ist der Name eigentlich egal.

WildstyleMag.com: Welchen Stellenwert nimmt die Ostthematik in euren Texten ein?

Zirkel: Ich glaube bei unserem Namen hört das auch fast schon wieder auf. Wir beziehen uns auf gewisse humoristische Sachen im Osten oder haben Slangmittel in den Texten, wie zum Beispiel "de Shok urst the Fucker ein"...

WildstyleMag.com: Wie bitte?

Zirkel: Das heißt "krass", bloß anders ausgedrückt. Der Bandname klingt bei uns noch am meisten nach Osten. Auf unserem kommenden Album gibt es einen Song namens "Mein Bad", in dem es um die kleinen Badezimmer in der Platte und die Probleme, die man dadurch als korpulenterer Mensch hat geht. Sowas können auch Leute aus dem Märkischen Viertel nachvollziehen, da sie auch aus der Platte kommen.

Es wäre eh idiotisch sich nur auf dem Osten zu beschränken. In Zeiten in denen man weniger Platten verkauft wäre es doch verrückt, statt 18 vielleicht nur noch 14 Millionen Scheiben loszuwerden.

WildstyleMag.com: War die starke Thematisierung des Ostens auf "Auferstanden aus Ruinen" dann sinnvoll?

Zirkel: Ich weiß, dass die Leute im Ruhrpott das sehr gefeiert haben. Dann habe ich von Yusuf aus Hamburg gehört, dass die das da auch sehr gepumpt haben und ein paar Leute aus Mannheim fanden es auch cool. Letztendlich wird es mit der persönlichen Einstellung zu tun haben.

Wenn man im Kopf  noch eine Mauer hat, wird man mit Rillas Album wenig  anfangen können. Bei wem das nicht der Fall ist, der kann es feiern. Songs wie "Vater und Sohn" oder "Denk an mich" sind ja nicht unbedingt die Ostbrecher.

WildstyleMag.com: Dennoch blieb final sehr stark das Bild des Ostens hängen.


Zirkel: Als erstes bleibt natürlich immer Marzahn hängen. Das ist aber auch das was er repräsentieren möchte.

Hammer: Das muss sogar hängenbleiben, wenn du dich selber als die Speerspitze des Ostens siehst und betitelst. Dann muss man den Hörern dieses Bild raufdrücken, mit allem was der Osten ist und was den Osten auszeichnet.

WildstyleMag.com: Vielleicht sehen das auch nur die Berliner so eng mit dem Osten, aber ist nicht trotzdem ein bisschen rückwärtsgewannt dieses Thema mit dem Osten?

Zirkel: Das finde ich ehrlich gesagt überhaupt nicht. Die Hamburger hatten ihre Zeit, die Ruhrpottler versuchen immer noch „Der Pott is back“ zu singen. Ich weiß nicht warum Künstler aus dem Osten nicht auch sagen sollten, wir sind Ostler und wir versuchen jetzt eine gewisse Region auf die Karte zu setzen. Ich glaube das gelingt zur Zeit relativ gut, mit Marteria, Morlockk Dilemma und natürlich auch Joe Rilla.

Hammer: Und Hammer & Zirkel!

Zirkel: Stimmt, ich war ein bisschen bescheiden, mein Schatz (grinst). An denen merkt man, dass der Osten was reißen kann und wahrscheinlich auch wird. Ich empfinde das nicht als Rückwärtsbewegung, sonst müsste man ja auch mit den Fingern auf die anderen zeigen. Die ganzen Kölner, also Eko und so, sagen auch die ganze Zeit Westside, Grembranx usw. Die werden auch nicht gefragt: Was soll das? Habt ihr noch die Mauer im Kopf?

WildstyleMag.com: Kennt ihr denn Leute, bei denen diese Mauer noch vorhanden ist?

Hammer: In meinem Umfeld nicht.

Zirkel: Nein, auch nicht bei unseren Eltern.

WildstyleMag.com: Wie stark ist eure Verbindung zur DDR?