 Binnen zwei Jahren hat Dennis Thimm mit der Graffitibox Summer Jam das größte Hip Hop Festival der Hauptstadt aus dem Boden gestampft. Als Webmaster von Graffitibox.de ist er hingegen schon länger bekannt. Bevor sich die Jam am kommenden Samstag zum dritten Mal jährt, sprachen wir mit ihm über persönliche Erfolge, finanzielle Risiken und wieso kaum westdeutsche Künstler auf der Jam vertreten sind.
WildstyleMag.com: Die Graffitibox Jam geht in ihr drittes Jahr und ist inzwischen zur größten Hip Hop Open-Air Veranstaltung der Hauptstadt geworden. Altert man als Veranstalter eigentlich schneller?
Dennis: Gleich zum Start so eine nette Frage. Die Phasen vor dem Event sind sicherlich besonders anstrengend und man muss an seine körperlichen Grenzen gehen, damit alles klappt. Dadurch, dass die Graffitibox Jam jetzt schon zum dritten Mal stattfindet, weiß man auf was man sich eingelassen hat, versucht sich die Kräfte einzuteilen und mit unerwarteten Problemen relaxter umzugehen. Das klappt mal mehr, mal weniger. Auf den Blick in den Spiegel kann ich zurzeit trotzdem gerne verzichten.
WildstyleMag.com: Ist die Jam ein Spiegel der Berliner Szene?
Dennis: Mit Sicherheit, ich kenne keine vergleichbare Veranstaltung in Berlin, auf der so viele verschiedene Hip Hop Künstler zusammenkommen. Die Besucher der Jam sind trotzdem nur ein Bruchteil vom Ganzen. Kommt zur Jam und schaut euch um! Der Besuchermix hat mich selbst jedes Mal erstaunt.
WildstyleMag.com: Mit Graffitibox.de besteht seit Jahren ein einflussreiches Graffiti-Online-Portal, von dem die Jam seit 2006 wiederum profitiert. Würdest du von dir selbst sagen, dass du sowohl als Webmaster als auch Veranstalter erfolgreich bist?
Dennis: Ab wann ist man erfolgreich? Versuche einfach die Sache von Anfang an nach vorne zu treiben und dabei nicht den Spaß zu verlieren. Es gibt noch so viele Dinge und Ideen die ich verwirklichen möchte. Ich sehe mich nicht als klassischen Veranstalter. Graffitibox veranstaltet maximal 2-3 Events im Jahr. Bisher verliefen alle unsere Veranstaltungen positiv, was Ansporn genug ist damit weiterzumachen. Trotzdem liegt das Hauptaufgabengebiet darin als Webmaster meinen Job zu machen und den Künstlern dieser Stadt eine Plattform zu geben, egal ob im Web oder auf einer Bühne bei der Jam.
WildstyleMag.com: Jetzt bist du bescheiden. Mit über 100.000 Usern im Monat und DEM gesellschaftlichen Hip Hop-Großereignis des Jahres in Berlin übt man ja schon einen gewissen Einfluss aus.
Dennis: Wir freuen uns natürlich, dass die Besucherzahlen auf Graffitibox.de und auch auf der Jam stetig gestiegen sind. Was die meisten nicht sehen ist die enorme Arbeit, die dahinter steckt. Der Zeitaufwand ist extrem, die Nachtschicht ist Standart geworden. Finanziell gesehen ist der Job als Webmaster mehr als miserabel. Man freut sich über Kleinigkeiten, wie nette Mails und gelegentliche Probs und versucht seine Projekte und Ideen umzusetzen.
WildstyleMag.com: Über 50 Acts, mehr als 70 Writer. Wie vielen der jährlichen Anfragen für Auftritte bzw. Wandfläche könnt ihr eigentlich gerecht werden?
Dennis: Die Anfragen für die Jam waren in diesem Jahr wirklich extrem. Wir erhalten sogar jetzt noch täglich neue Anfragen, obwohl unser Line-up seit über acht Wochen feststeht. Wir könnten mittlerweile locker ein zweitägiges Programm füllen und hoffen, dass wir die Veranstaltung dort hinbringen. Mir tut es immer weh, wenn man Künstlern - egal ob Writer, Musiker oder Tänzer - mitteilen muss, dass kein Platz mehr frei ist.
WildstyleMag.com: Habt ihr vor Abhilfe zu schaffen?
Dennis: Genau deswegen haben wir dieses Jahr auch den Rap-Contest gestartet, um weiteren 10 Gruppen eine Möglichkeit zu geben, sich auf der Jam dem Publikum zu präsentieren. Dies soll besonders eine Chance für junge Künstler sein, auf solch einem Event Erfahrungen zu sammeln. Ich finde eine Hip Hop Jam ist dazu da, so vielen Leuten wie möglich eine Plattform zu bieten, nur so entsteht der besondere Flavour einer Jam. Das ist sicherlich auch einer der Hauptgründe für unser dickgefülltes Programm: Es kommen alle zusammen und zeigen ihre Künste.
WildstyleMag.com: Vor allem kommen viele Leute aus allen Hip Hop-Bereichen zusammen, die sonst nichts mehr miteinander zu tun haben. Dabei ist das Thema Hip Hop Kultur an sich doch durch, oder?
Dennis: Hip Hop Kultur hin oder her, wir versuchen einfach die Leute zusammenzubringen. Die Künstler stammen aus den verschiedensten Ecken Berlins und einige Leute treffen sich auf der Jam nach Jahren zum ersten Mal wieder. Das ist doch geil! Für junge Menschen ist die Jam ein idealer Ort um die Hip Hop Bewegung kennenzulernen und davon angesteckt zu werden.
WildstyleMag.com: Wie viel Platz im Kopf nimmt der Gedanke ein, dass eine solche Veranstaltung auch ein hohes finanzielles Risiko in sich birgt?
Dennis: Leider lässt sich das Thema "Geld" nicht ganz verdrängen. Die Veranstaltung ist von Jahr zu Jahr gewachsen, genauso wie die Ausgabenliste. Man versucht natürlich viel über Sponsoren abzudecken und alles gut durchzuplanen und keine unnötigen Gelder auszugeben. Ein finanzielles Risiko bleibt aber immer.
Gerade eine Open-Air Veranstaltung, wie wir sie im Yaam betreiben, ist sehr wetterabhängig. Wie schon erwähnt sind wir keine klassischen Veranstalter, die schon vorher ihren Gewinn ausrechnen. Wir gehen eher andersrum heran und schauen, was alles benötigt wird, damit die Jam ein geiler Tag ist und die Besucher ihren Spaß haben. Wenn das finanziell machbar ist, freuen wir uns über ein paar Bierchen die über bleiben.
WildstyleMag.com: Wie haben sich denn die Ausgaben entwickelt?
Dennis: In diesem Jahr sind die Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr enorm gestiegen, aus wirtschaftlicher Sicht hätte man die Eintrittspreise erhöhen müssen. Die Eintrittspreise liegen zwischen 5 – 10 Euro und dafür bieten wir weit mehr als viele andere Events. Wir hoffen, dass die Besucher das zu schätzen wissen und zahlreich erscheinen, um die Sache damit zu unterstützen.
WildstyleMag.com: Das Line-up auf den Bühnen ist stark Berlin-lastig. Besteht kein Interesse an Künstlern aus anderen Teilen Deutschlands?
Dennis: Interesse sicherlich, aber Berlin alleine hat so viele Künstler, die seit Jahren an Ihrer Sache arbeiten und es verdient haben sich zu präsentieren. Leider ist unser Budget so gering, dass wir selten Fahrtgeld etc. auszahlen können. Daher brauchen wir bei Booking-Anfragen oft nicht weiter nachdenken, ob wir die Gruppe einladen, geschweige denn einen ausländischen Act ranzuholen. Wichtig ist eher, dass etwas entsteht.
In Berlin leben so viele Hip Hop Heads - warum jemanden von außerhalb ran holen, wenn man die Leute aus seiner eigenen Stadt unterstützen kann. Ganz klar: Berlin wird feiern! Endlich kommen alle zusammen: „Ick bin ein Berliner“ (er schmunzelt). Aber wir sind offen für alle, vielleicht wird diese Veranstaltung noch bekannter und wir erhalten im nächsten Jahr mehr Anfragen von außerhalb.
WildstyleMag.com: Was war die schönste, bzw. die frustrierendste Erfahrung in den vergangenen zwei Jahren?
Dennis: Spontan fallen mir da eher private Dinge ein. Ich denke allgemein positiv und freue mich auch über kleine Erfolge.
WildstyleMag.com: Die Abfrage auf Wetter.com sagt heute für den 16. August leichten Regen und 16° voraus. Kannst du damit leben?
Dennis: Sicherlich wünschen wir uns keinen Regen, aber das Wetter ist einer der wenigen Faktoren, die wir nicht beeinflussen können. Im Jahr 2006 war es schon fast zu heiß und die Besucher sowie unser Team kamen schwer damit zurecht. Trocken sollte es aber schon sein, besonders wegen den vielen Graffiti-Künstler, Breakern und dem geilen Strand im Yaam. Aber egal wie das Wetter wird, es werden mit Sicherheit viele Besucher den Weg ins Yaam finden und für eine einmalige Stimmung sorgen.
WildstyleMag.com: Ein letzter Gruß?
Dennis: Vielen Dank WildstyleMag für das Interview! Wir sehen uns am 16. August im Yaam - fett, fetter, Graffitibox Jam!
www.partychecker.de www.graffitibox.de
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