Südberlin Maskulin - Keep It Real
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Berlin, S-Bahnhof Friedrichstraße. Vor sehr langer Zeit war das der Corner der Berliner Writer, wo man sich traf, um abends Züge zu bomben. Aber das ist 15 Jahre her. Heute findet sich hier das neue Berlin, mit seinen Revue-Galen, Theateraufführungen, und Scharen von Touristen, die jede Woche in die Stadt strömen. Es ist auf den Tag zwei Wochen vor VÖ. Südberlin Maskulin, das sind Fler, Godsilla und Reason, das ist eine Reminiszenz an die bekannte Crew von Kool Savas und Taktloss, und eine Hommage an den frühen Berliner Underground-Rap mit den unlustigen Battle-Lyrics. Wir treffen uns bei Starbucks, wo man nicht mehr weiß, welche Kaffeekreation sich hinter welchem Produktnamen verbirgt. Kurz nach Beginn des Interviews kommt eine Verkäuferin an den Tisch. Sie bittet um ein Foto mit Fler, "Klar, wir machen nur eben das Interview."

Video: Südberlin Maskulin - Ich bin ein Rapper
Video: Südberlin Maskulin - Wenn der Beat nicht mehr läuft

WildstyleMag.com (zu Fler): Der Treffpunkt Starbucks, Friedrichstraße ist ungewöhnlich. Hast du Angst?

Fler: Natürlich habe ich Angst, Angst davor, dass mir die falschen Leute auf die Nerven gehen, wenn ich mitten durch Kreuzberg laufe. Auf so einen Stress habe ich kein Bock.

Godsilla: Hier in der Friedrichstrasse ist es doch gechillt. Wir treffen uns alle in der Mitte Berlins. Das ist für jeden vorteilhaft.

WildstyleMag.com: Die Frage war auch ernst gemeint - nach dem Angriff bei MTV im November letzten Jahres.

Fler: Die Vorsicht, das Zurückhalten bzw. bestimmte Gegenden zu meiden, das kommt automatisch, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Sido und ich hängen noch relativ viel in unseren alten Bezirken ab, dafür, dass wir eine so große Popularität haben. Im Gegensatz zu anderen Leuten verstecken wir uns nicht. In Wirklichkeit geht es aber nicht um die Angst, sondern um die Dummheit der Leute - einerseits um Neider, aber auch um Fans, die nicht zugeben können, dass sie einen feiern.

WildstyleMag.com: Über ein halbes Jahr ist inzwischen nach dem Angriff vergangen. Lebt man vorsichtiger?


Fler: Die konkrete Sorge, dass dieselben Leute mir wieder etwas antun wollen, die ist da. Der Konkurrenzkampf besteht ja nach wie vor. Bushido wird seine Leute auf uns ansetzen, solange er in uns eine Gefahr sieht. Es wurde schon immer mit unfairen Mitteln gekämpft, und so wird es auch bleiben. Aber das kann jedem passieren. Auch nach einem Stress in der Schule kann dir jemand seine Meute vorbeischicken.

Was mich wirklich nervt ist, dass die Medien einfach nicht damit umgehen können. Die betrachten die Situation nicht so, wie sie sich wirklich darstellt. Stattdessen reimt man sich irgendeinen Scheiß zusammen, von dem dann niemand wissen will, woher der eigentlich kam.

WildstyleMag.com: Über den Vorfall wurde landesweit in nahezu jeder Tageszeitung, auf zahlreichen Kanälen berichtet. Wie hast du die Berichterstattung wahrgenommen?

Fler: Die interessantere Frage, und gleichzeitig das größte Problem, ist, wie sie in Zukunft damit umgehen werden. Die Situation bessert sich ja nicht. Die Medien, gerade die Hip Hop-Medien, schlachten uns aus. Sie benutzen uns viel mehr, als wir uns selbst jemals vermarkten könnten. Das ist das große Problem.

Schau dir die neue Hip Hop Bravo an: Sido gegen Bushido. Die wollen praktisch, dass wir uns gegenseitig ficken, damit sie was zu schreiben haben. Das ist auch in Ordnung, nur das Problem ist, dass die Rapper es nicht verstehen, nicht mitspielen. Bushido ist z.B. so, der müsste das gar nicht mehr machen.

Godsilla: Aber so funktionieren die Medien halt. Nimm als Beispiel diese Promi-Vergleiche zwischen Brad Pitt und Georg Clooney, mit irgendwelchen an den Haaren herbeigezogenen Informationen. Die Schreiber glauben ihre Artikel selber nicht, jeder denkt vom anderen: der spinnt doch. Dennoch stürzt man sich auf solche Texte. So ist das eben.

WildstyleMag.com: Sex und Gewalt erregen Aufsehen. Ihr spielt das Spiel mit.