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Seite 1 von 3  Über seine Musik lässt sich streiten, nicht jedoch über sein Wissen über die Musikszene. Als Produkt- und Marketingmanager von BMG sowie Labelmanager des Berliner Independet-Labels NoLimits Music arbeitete der Willicher Künstler Michelmann jahrelang auch hinter den Kulissen der Musikindustrie. Ein Gespräch über Miami Bass-Sound, ungebildete Redakteure und warum im Business nicht alles so leicht ist, wie sich das manche Menschen in Chefetagen so vorstellen.
Wildstyle Magazine: Seit ´95 pumpt nun der Bass. Wie bist du damals zur Miami Bass Musik gekommen, bzw. sie auf Deutsch umzusetzen?
Michelmann: Zum Miami Bass bin ich durch einen Kumpel gekommen. Ich war damals 12 Jahre alt und er hat mir damals (1990) „Me so Horny“ und „Com´ on Babe“ von der 2 Live Crew vorgespielt. Ich fand das super und hab mir sofort das Album „As Nasty as They Wanna Be“ gekauft. Ein Jahr später war ich mit einer Jugendsportgruppe in Miami, und da liefen solche Sachen, wie DJ Laz, Disco Rick und das ganze Zeug im Radio. So habe ich dann nach und nach mir solche Musik gekauft und mich dafür interessiert. Ich fand diese tanzbaren Uptempobeats immer wesentlich geiler, als die normalen Hip Hop Songs. Irgendwann haben wir dann mit 15 angefangen englische Texte auf Instrumentals zu rappen und mit 17 haben wir dann das erste Michelmann Bass Demo mit eigenen Deutschen Texten aufgenommen und auf dem Schulhof und in der Nachbarschaft verkauft.
Wildstyle Magazine: In einem bekannten Hip Hop Online Magazine wurde dein Album unter anderem mit den Worten „mit nicht existentem Flow über abgefuckte […] Disco-Beats“ beschrieben. Sind solche Leute zu engstirnig für deine Musik?
Michelmann: Gott sei Dank sind die Geschmäcker und die Menschen ja verschieden. Ich war letzte Woche auf Mallorca. Zehn Meter weiter war eine Jungen-Truppe, von ungefähren 15 Leuten und da hörte ich plötzlich meinen Song „Pump den Bass“ aus deren Ghetto Blaster Pumpen. Danach liefen von Deichkind „Remmi Demmi“, „3 Tage Wach“, die Ärzte und Mickie Krause. Und zu allen Songs gröhlten die Jungs gleichermaßen mit und sprangen mit Bierflaschen um ihre Badetücher. Da hab ich mir nur gedacht:“ Alles richtig gemacht“. Weißt du, meine Hörerschaft liegt auch nicht unbedingt in der Hip Hop Szene. Ein Teil sicher, da es ja irgendwie Rapmusik ist, aber unsere CDs kaufen überwiegend Leute die diesen Standard-Deutschrap „ich-bin-der-beste-MC-weil-ich–so–tighte-flows-hab-Scheiß“ einfach langweilig finden. Die kaufen meine CDs weil sie die Texte lustig finden und weil die Beats tanzbar sind
Vielleicht hätte die Redaktion von diesem bekannten Online Magazin, die CD einer Person geben sollen, die sich für so eine Art von Hip Hop oder ähnlichen Sound interessiert oder zumindest ein bisschen Knowledge darüber besitzt und weiß was Miami Bass Sound ist und wer Mr Mixx von der 2 Live Crew ist und nicht einer jungen Dame, die auf tiefsinnige Texte steht und meine Musik mit Masta Ace vergleicht. Das ist so als würdest du Äpfel mit Birnen vergleichen oder eine Komödie mit einem Drama. Das sind einfach zwei völlig verschiedene Arten von Rapmusik, die zu vergleichen bzw. meine Musik daran zu messen ist irgendwie albern.
Wildstyle Magazine: Stört man sich nach 13 Jahren noch an solch schlechten Kritiken?
Michelmann: Nein. Bei unseren ersten Platten hat mich das gestört. Da war ich 20 Jahre alt und wusste noch nicht genau wie das Business und die Szene ticken. Mittlerweile ist mir das völlig egal. Ich mache halt kontroverse Musik. Entweder die Leute finden es geil oder scheiße. So ist das nun mal. So haben die Leute wenigstens was zu diskutieren. Und ich habe seit Jahren eine feste Fanbase und die kauft meine Musik gerade, weil sie so ist, wie sie ist.
Wildstyle Magazine: Oft wird über die Verantwortung der Künstler bzgl. ihres Einflusses auf unsere Jugend gesprochen. Machst du dir Gedanken beim Schreiben ob Jugendliche deine Texte falsch verstehen könnten?
Michelmann: Eigentlich nicht. Ich denke wenn man sich meine Texte genau anhört und ein bisschen dafür interessiert und meine Lieder bis zum Schluss aufmerksam verfolgt, dann erkennt man immer die Ironie in meinen Texten und den Moment, an dem ich mich selber auf den Arm nehme. Wenn man allerdings, wie manche Redakteure, nur oberflächlich beim Küche aufräumen sich die Songs nur einmal anhört, dann kann man den ein oder anderen Text vielleicht falsch verstehen, weil man die Pointe nicht mitbekommen hat.
Wildstyle Magazine: Michelmann Records wird von dir seit seiner Gründung mal mehr mal weniger nur nebenbei betrieben, gab es nie die Überlegung alle Energie in das Label zu stecken?
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