Taichi - "Ich bin schon ein Spießer"
Geschrieben von: Pasu   
Freitag, 28. November 2008 um 15:21
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Taichi - "Ich bin schon ein Spießer"
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Ein einfacher Kandidat war er nie - wirklich schaden tut das nicht. Denn wer die Meinungen nicht spaltet, wird schnell übersehen. Taichi, aufgewachsen im ehemaligen amerikanischen Sektor in Berlin-Zehlendorf, ist inzwischen bei einem beachtlichen Album Nummer 5 angekommen. Zeit also für das erste Interview auf Wildstyle: Glaubt er, dass es Menschen schwer fällt, sich zu seiner Musik zu bekennen? Hatte Q-Tip mit seiner Kritik am Web 2.0 recht? Was ist das besondere an Paulo Coelho-Büchern? Und wie viel hat seine Supporter-Aktion zum neuen Album wirklich gekostet? Ein ausführliches Interview, eine Vielzahl an Themen. Doch angefangen hat alles mit einem lockeren Gespräch über Klatsch und Tratsch...

WildstyleMag.com: Es gibt dieses eine Video von Massiv auf einem Bushido Konzert...

Taichi: "In ihm spiegelt sich die Straße", ich weiß. Ich kenne alles, ich bin DeutschRap-Nerd. Auch wenn ich nicht alles feiere.

WildstyleMag.com: Warum beschäftigst du dich dann damit?

Taichi: Das ist der innere Trieb wissen zu müssen, was alles passiert. Ich kann abends nicht schlafen, bevor ich nicht nochmal die News abgecheckt hab.

WildstyleMag.com: Aber wie viele von den täglichen DeutschRap-News sind denn wirklich wichtig?

Taichi: Gar keine. Eigentlich sollte ich nur auf Spiegel.de gehen. Das mache ich leider viel zu selten.

WildstyleMag.com: Der Reiz des Belanglosen?

Taichi: Ich bin Kontroll-Freak und möchte immer genau wissen was passiert. Es ist kein Problem auch mal einen Monat darauf zu verzichten, aber grundsätzlich gehört es zum Alltag, dass ich aufstehe und erstmal schaue, was passiert ist.

WildstyleMag.com: Ist das so ein Tick von vielen von "uns"?


Taichi: Rap-Nerds haben definitiv einen an der Klatsche, falls du das meinst. Ich bewundere Leute, die Hip Hop nur aufgrund von Printmagazinen leben, die einmal im Monat erscheinen. Das finde ich cool und erstrebenswert. Aber dafür bin ich zu Web 2.0.   

WildstyleMag.com: Warum reden "wir" so gerne über uns selber?

Taichi: Diese narzisstische Selbstdarstellung schlummert wahrscheinlich in allen von uns. Manch einer zelebriert sie mehr, der andere weniger. Gerade Rapper neigen eben dazu, sich darzustellen, sich cool zu fühlen und sich zu feiern.

WildstyleMag.com: Angenommen du wärst nicht Teil des "Games", wie würdest du über diese Eigenschaft denken?

Taichi: Ich würden denken, die sind doch alle behindert. Das denke ich übrigens auch so öfters. Neunundneunzig Prozent der Rap-News sind Dünnschiss, plus ab und zu noch etwas gute Musik.

WildstyleMag.com: Hast du mal Reaktionen von Außenstehenden auf deine eigene Musik bekommen?

Taichi: Ja, die mögen sie, weil ich nicht so hängengebliebene Mucke mache, sondern eher Themen-Rap. Bei Battle-Rap fassen sich externe Leute meist an den Kopf und fragen sich, was das für Menschen sind, die dahinter stecken. Allgemeine Themen kommen bei Leuten, die nichts mit Rap zu tun haben, wesentlich besser an als die endlosen Punchline-Gewitter.

WildstyleMag.com: Lass uns über deine Support-Aktion zum aktuellen Album sprechen. Du hast Leute aufgerufen, sich auf deiner Website anzumelden, um diese dann mit allerlei Promo-Material zu versorgen, damit sie losziehen können. Die Idee an sich ist ja nicht neu, aber ich wüsste nicht, dass jemand das independent schon mal so groß durchgezogen hat.

Taichi: Stichwort independent...mir war es wichtig, dass die Leute einen Einblick bekommen, wie der ganze Ablauf bei uns eigentlich ist. Wir sind auch nur ein paar Typen im Hinterhof, die versuchen das Baby zu schaukeln. Wir schlagen uns die Nächte um die Ohren und versuchen Moves zu ziehen. Den Leuten ist meist nicht bewusst, wie viel Arbeit hinter einer Album-Veröffentlichung eigentlich steckt. Man hätte das Ganze im Nachhinein auch noch öffentlicher machen können, aber mit den YouTube-Videos war das schon okay.

WildstyleMag.com: Wie waren die Zahlen der Aktion?

Taichi: Als sich über 1000 Leute angemeldet hatten, mussten wir die Aktion stoppen. Sie wäre sonst aus dem Ruder gelaufen. Abgesehen davon haben wir komplett eigenfinanziert: Plakate, Flyer, Sticker. Sämtliches Material wurden an willkürlich ausgewählte 500 Leute verschickt. Irgendwann haben wir den Pop3-Account überlaufen lassen, weil es zu viele Anmeldungen wurden.