Bericht: splash! Festival 2008
Freitag, 18. Juli 2008 um 00:45
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Letztes Wochenende war es wieder soweit – das alljährliche splash! Festival ging in die 11. Runde und rief wie immer alle Hip Hop und Reggae Liebhaber auf, drei Tage lang die reale Welt hinter sich zu lassen und auf einer Halbinsel namens Pouch, irgendwo bei Leipzig, in das dreckige Hip Hop Universum einzutauchen.

Autor: Schohreh Golian
Photos: Schohreh Golian, www.BildhauerEvents.com

Dreckig ist es nicht nur wegen der Texte, die von Politikern gern kritisiert werden, und auch nicht nur wegen der rauen Beats und den dröhnenden Bässen, die man selbst im Zelt noch durch die Isomatte vibrieren spürt, sondern wegen des splashigen Wetters. Ich denke man sollte splashig als ein neues Adjektiv im Duden vorschlagen - jeder, der in den letzten vier Jahren das Festival besucht hat, würde jedenfalls wissen, dass splashiges Wetter gleichzusetzen ist mit viel Regen, viel Wind und viel Schlamm.

Vielleicht sollte das Festival aber auch einfach seinen Namen ändern um somit dem berüchtigten Spruch "Nomen est Omen" zu entkommen. Doch wahrscheinlich wird dies nicht passieren, vor allem nicht, nachdem das splash! trotz Pleite, trotz Überflutungen, trotz weggeschwemmten oder abgebrannten Zelten, trotz Verwehen von Graffiti-Wänden oder Abrissen von Bühnenplanen, immer wieder Überlebenswillen und auch Überlebenskraft gezeigt hat.

So war es dieses Jahr auch nicht verwunderlich, dass trotz Schlechtwetter-Ansagen zahlreiche Besucher die splash! Island aufsuchten. Bereits am Donnerstag Nachmittag war der Bitterfelder Bahnhof überfüllt von jungen, meist schon betrunkenen Menschen, die Bierduschen in den Zugwagons abhielten und ihre Schlafsäcke ausbreiteten.

Wenn ein Shuttle-Busfahrer sich endlich erbarmte und seine Pause beendete, strömten die Massen in den Regen und quetschten sich mit ihren Zelten, Pavillons, Camper-Rucksäcken und Becks-Kästen (oder wahlweise das preiswertere Oettinger) durch die kleinen Türen des Linienbusses, der zwischen Bahnhof und dem Festivalgelände hin- und her pendelte.

Angekommen mussten viele feststellen, dass die Kastenschlepperei umsonst gewesen war – das splash! Festival stellte zum ersten Mal ein striktes Glas-Verbot auf. Auf www.splash-festival.com wäre diese Information zwar bei den Do’s & Dont’s zu finden gewesen, doch ebenso birgt die Homepage im Festival ABC unter "Glas" das widersprüchliche Statement: "Glasbehälter sind auf den Park- und Campingflächen gestattet aber wir bitten dich auf diese, nach Möglichkeit, zu verzichten. Die Verletzungsgefahr durch Glasbruch ist leider sehr hoch."

15-Minuten Fame and Shame

Doch ungeachtet der Schauer und der Unbequemlichkeiten des Zeltaufbaus bei splashiger Witterung, füllten sich die Zeltplätze rasch. Auch der VIP-Zeltplatz – eigentlich bestimmt für alle Crewmitglieder, Gastronomie-Mitarbeiter, Presseleute und alle weiteren, die neben dem Spaßfaktor auf dem splash! auch arbeiten müssen und die nicht genug Geld für ein Hotel aufbringen können oder wollen - war besuchter denn je.

Grund dafür ist die raffinierte Geldvermehrungsidee der Veranstalter, 500 VIP Tickets für je 170 Euro (oder 200 Euro an der AK) zu verkaufen. Was das Festival zwar um etwa 90.000 Euro reicher machte, zerstörte die Idee, die einem Festival eigentlich zu Grunde liegt.



Denn abgesehen von den langen Schlangen vor den Duschen oder der Tatsache, dass nun auch auf einem "sicheren" Zeltplatz Handys geklaut werden, wird doch der vermögendere Besucher dafür beloht, dass Mami und Papi mehr Geld verdienen als manch andere Eltern. Wenn mittags ellenlange Schlangen vor den Eingängen vom Zeltplatz zum Festivalgelände standen und sich tausende von Besuchern zwischen Klamotten-, Label- oder Essensständen tummelten, wussten alle, egal wie unterschiedlich sie doch sind, sie sind alle aus einem gemeinsamen Grund hier: Der Liebe zu Hip Hop.

Mit 100 Euro extra konnte man dieses Jahr allerdings die Liebe gegen Groupie-Gehabe und VIP-Geilheit tauschen. Doch wurde diese Geilheit sicherlich nur selten befriedigt, da die Künstler in ihren extra abgetrennten Künstlerbereich flohen. Zur großen Enttäuschung der Presse, die dadurch stark in ihrer Arbeit beeinträchtigt wurde.

The thrilling beginning...


Es gab allerdings einige Künstler, die versuchten Nähe zum "normalen" splash!-Besucher aufzubauen. So wurde dieses Jahr zum zweiten Mal schon Donnerstag Nacht der Red Bull Tourbus auf den Zeltplatz gestellt, von dessen Dach Prinz Pi, Casper, Maxim und DJ Craft mit den Besuchern feierten. Der Zeltplatz, kurz vor dem Eingang zum Hauptgelände ausgestattet mit Bierständen, Fressbuden und Bunjee-Jumping-ähnlichen Geräten, war von den Frühanreisern überfüllt und so laut, dass man wohl im Umkreis von mehreren Kilometern schon die Musik dröhnen hören konnte.

Nach der Freakshow von den beiden besoffenen K.I.Z.lern, tanzenden Häschen und Gorillas, einem ständig vom Bus springenden Staiger und vom Pogen blutigen Fans, stellte sich Spezializt Harris an die Turntables und legte besser auf denn je. Spätestens an dem Abend hat Dirrty Harry bewiesen, dass deutschsprachiger Rap stundenlang tanz-, durchdreh- und feiertauglich ist.

Auf sein perfektes Set folgten lediglich zum Schluss einige amerikanische Tracks. Am Donnerstag schon die Überparty zu reißen, heizte die Besucher ordentlich für die kommenden Tage Non-Stop Feiern ein, brach vielen aber auch das Genick, da es eine weitere schlaflose Nacht wurde.