Sepalot - Red Handed
Geschrieben von: pasu   
Mittwoch, 28. Mai 2008 um 18:20

Das erste Solowerk des Münchner DJs und Produzenten der Gruppe Blumentopf ist draußen. Wir haben reingehört.

Autor: Dr.Mho

Über Compost Records veröffentlicht Sepalot seine sehr eigen klingende Platte, die gleich beim ersten Hören eine große musikalische Erfahrung und viele gute Einflüsse verrät. 17 durchgehend gute Tracks beinhaltet das Album, davon 5 kürzere Instrumentals, die das Album auflockern und die Atmosphäre unterstreichen. Features wie Frank'N'Dank, Olivier Day Soul oder Miss Platnum lassen ja auch viel erwarten, und keiner von ihnen enttäuscht hier. Besonders Frank Nitty und Olvier Day Soul fallen positiv auf, während Miss Platnum scheinbar ein wenig hinter ihren (sehr vielfältigen) Möglichkeiten bleibt.

Gleich im Intro setzt Frank Nitty mit seiner sehr guten Stimme und souveränem Flow die Messlatte sehr hoch, und nur sehr wenige Tracks streifen die Messlatte wieder. Meilenweit darüber ist Oliver Day Soul auf "Jump", der sich meisterhaft oktaviert und mit einer Kopfstimme daherkommt, die auch Prince zum Staunen bringen würde. Sepalot liefert einen hellen Sound dazu, der sehr sommerlich daherkommt und sogar ein verrücktes Solo einer TB-303 beinhaltet, dessen harter Sound interessanterweise sehr gut dazu passt. Gleich darauf folgt "Summerset", ein phantastischer Sommerbeat, der leider einige Mängel hat. Zum einen, dass das Rhodes so stark bit-reduziert daherkommt, zum anderen ist es aber wirklich schade, dass es nur ein Instrumental ist und lediglich ca. 2 Minuten lang ist. Dieses Instrumental verrät jedoch sehr viel über Sepalots Einflüsse, denn hier hört man die 80ies in ihrer ganzen unpoppigen, p-funkigen Blüte heraus.

Frank Nitty tröstet auf "She likes me" aber über diesen Verlust hinweg. "She likes me" wirkt zwar in der Hook etwas unaufgeräumt, könnte in den Parts aber genauso gut ein Beat eines US-Topproducers sein. "Go get it" mit Ladi6 erinnert an "Hit the Road Jack" und kommt mit tollem Big-Band-Sound daher, hinter dem Ladi6 stimmlich ein wenig verschwindet. Man wünscht sich statt ihrer entspannten und souveränen Vocals ein wenig mehr Power, die sie auch zweifellos hat, hier aber nicht wirklich auspackt. "Liquid Embrace" swingt und groovt unter der wunderschönen Stimme von Esther und schwebt federleicht durch den Raum, jedoch wünscht man sich fast, dass eine Snare diesen Schwebeflug ein wenig motorisieren würde. Frank Nitty kehrt daraufhin auf "From the Get Go" zurück und wertet den entspannten und nur scheinbar minimalistischen Beat weiter auf. "September" ist ein weiteres, kurzes Instrumental und ist vom Sound klassische Oldschool mit bewusstseinserweiternd wirkenden Einflüssen.

Shuanise wickelt uns danach mit ihrer sexy Stimme auf "Smile" ein, der insgesamt sehr an "Fever" angelehnt zu sein scheint und locker swingend in einen Jazzclub der Zukunft passen würde. So wie Sepalot uns damit einlullen möchte, rüttelt er uns mit "Smile Part 2" wieder wach, einem Oldschool-Big-Band-Electro-Instrumental, das auch gut in einen Film der Oceans-Reihe passen könnte. "Rearrange", ein weiteres Instrumental nach "Smile Part 2", kombiniert dann den eher traditionellen Filmsound mit Electro- und Funk-Elementen und würde kommentarlos in eine knallharte James-Bond-Actionszene passen. Miss Platnums Gastauftritt auf "How can I say" ist gekonnt und wunderschön - sie läßt ihr immenses Können aufblitzen, aber gerade das Wissen um dieses Können läßt ein wenig mehr erwarten. Der Song ist sehr interessant, würde aber durch eine klarere Struktur noch mehr punkten können.

"Blow" mit Frank'N'Dank fängt sehr vielversprechend an, schafft es aber nicht, die aufgebaute Erwartung zu erfüllen, da man das Gefühl hat, dass der Beat nicht in die Gänge kommt. Olivier Day Soul bleibt zwar auf "Lights (Down Low)" hinter seiner Performance auf "Jump" zurück, macht aber dennoch eine sehr gute Figur auf dem sexy Beat, der nur wieder ein wenig unter der bitreduzierten Clap leidet. Mit "Manly" schließt Sepalot dieses Album ab, einer elaborierten Soundkollage mit deutlichen P-Funk-Einflüssen, die definitiv Lust auf den nächsten Streich des Münchner Ausnahmeproduzenten macht.

Insgesamt ist "Red Handed" (natürlich) ein sehr urbanes Album geworden, durch welches sich ein deutlicher roter Soundfaden zieht. Leider gerät dieser Faden manchmal zum Stahlseil, hauptsächlich durch den etwas übertrieben eingesetzten Bitcrusher, was den Sound vereinheitlicht, leider aber die Vielfalt interessanterweise ein wenig eindämmt. Dieser Effekt wird jedoch von den sehr guten Gästen wieder relativiert, so dass mit gekonnten Pinselstrichen einige starke und eigene Farben auf der sehr einheitlichen Leinwand dieses Soundgemäldes aufgetragen wurden. Detroit meets Electro meets P-Funk meets EL-P - ein sehr untypisches Album für deutsche Verhältnisse, was angesichts der meisten anderen Kost hierzulande ausschließlich positiv zu bewerten ist.

01. The Intro feat. Frank Nitty
02. Surrender feat. Blu
03. Did It Again feat. Saigon
04. Jump feat. OlivierDaySoul
05. Summerset
06. She Likes Me feat. Frank Nitty
07. Go Get It feat. Ladi6
08. Liquid Embrace feat. Esther
09. From The Get Go feat. Frank Nitty
10. September
11. Smile feat. Shuane
12. Smile Part 2
13. Rearrange
14. How Can I Say feat. Miss Platnum
15. Blow feat. Frank N Dank
16. Lights (Down Low) feat. OlivierDaySoul
17. Manly

www.sepalot.com

 

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