 Die Dortmunder Crew Jokaz lädt die Hip Hop Szene zum "Probetraining", um klar zu stellen, dass sie ihre Stollenschuhe zu recht geschnürt haben.
Autor: Manuel "Majae" Jäckl Nach mehreren Jahren harter Arbeit erschien endlich ihr Debütalbum. Man könnte dieses natürlich schnell als alt und verstaubt abstempeln, da selbst der jüngste Track anno 2006 entstanden ist und auch die musikalischen Einflüsse á la RAG oder Wittener Bunkerwelt den Eindruck vermitteln könnten, dass der Jokaz Sound nur ein Abklatsch einer früheren Hochzeit des Ruhrpottsounds wäre. Doch wer „Probetraining“ mit diesen Gedanken links liegen lässt, könnte einiges verpassen.
So sind die musikalischen Inspirationen aus den Nachbarstädten Dortmunds zwar durchaus herauszuhören und auch eine Orientierung an der goldenen Ära des Ruhrpott-Hip Hops ist nicht abzustreiten, jedoch wurde es nicht verpasst jedem Track den eigenen Stempel aufzudrücken. Dies wird schon bei den Beats deutlich, die mit einer Ausnahme aus der kreativen Ader von Produzent Yves the Chief stammen. Im Gegensatz zum aktuellen Trend sind diese nicht mit elektronischen Synthie-Sounds überladen, sondern bestehen aus dreckigen Samples, die größtenteils direkt ins Ohr gehen. Die Palette reicht dabei von diversen ruhig und melancholischen bis eher wenigen sehr temporeichen und pumpenden Instrumentals, welche in ihrer Gesamtheit alle sehr basslastig sind.
Hinzu kommen die beiden Emcees Fritz Fresh und Elsta, die lyrische Texte in ihre Mikrofone spitten, die teils so schön an RAG erinnern, wie es heute nur noch selten vorkommt. So jagt oft eine Hammerline die andere, intelligente, ausgefeilte Wortspiele versteckt in jeder Zeile („Ich komm voran mit handfester Beinarbeit“) und Punchlines die sitzen. Dabei gibt es keinen klassischen, stumpfen Battlerap sondern die komplette Bandbreite von Kritik an anderen Rapper, sowie der Gesellschaft („Mein Konzept steht im Plattenschrank und deins läuft grad davon / wenn ich mich auf den Hintern setz', dann doch nicht vors Internetz“). Darüberhinaus gibt es über Partytracks bis hin zu Storytelling wie in „Spaß an der Sache“ alles Wünschenswerte zu hören. In diesem Track mimen die insgesamt drei Emcees, der Dortmunder Flesh wird gefeatured, beispielsweise verschiedene Besucher einer Jam, vom so genannten Gangster, der die Besucher aufmischen will, bis zum realen Head, der einfach nur wegen der guten Musik dort ist.
Weitere Features Gäste sind neben dem erwähnten Flesh außerdem Schrottboykott und N+H, ein nicht mehr existierender Zusammenschluss von Nafetz und Heideck, bekannte Namen der lokalen Szene. Zu den teilweise sehr guten Beats und den größtenteils punktgenauen Flows von Fritz und Elsta kommt der mal mehr, mal weniger aktive DJ Wollow, der sich auch auf dem 50 Sekunden langen Intro mit seinen Turntables austoben durfte. Auf den übrigen Stücken versieht er meistens Intro, Breaks und Outros mit messerscharfen Cuts und bekannten Vocalsamples.
Insgesamt ist „Probetraining“ ein eher ruhiges, meist lyrisches, manchmal melancholisches Album, welches aber zwischendurch mit schnellen und harten Tracks aufgelockert wird. Letzteres hätte durchaus etwas öfters vorkommen können, denn erst bei höherem Tempo zeigen die Jokaz einhundert Prozent ihres Könnens. Wer Musik aus dem Pott für den Pott möchte, könnte aktuell wohl kaum eine bessere Wahl treffen, aber auch außerhalb der Region ist es durchaus empfehlenswert. Wer dreckigen Sound gepaart mit lyrischen, oft ausgefeilten Texten mit abwechslungsreichen Wortspielen mag, wird sicherlich nicht enttäuscht.
01.Introduction 02.Stimmungen 03.Denken 04.Vorhang hoch feat. N+H 05.Mit oder gegen uns 06.Kunst 07.Sinnvoll part eins 08.Zwei Sonnen 09.Spass an der Sache feat. Flesh 10.Feierabend(prod. by Till Gates) 11.Stromschlag 12.Meinungsfreiheit 13.Kings der Versmagie feat. Schrottboykott 14.Sinnvoll part zwei 15.Zurück zum Herz 16.Für und mit wem www.myspace.com/jokazdortmund
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