 Wu-Tang Mastermind RZA hat schon immer seine eigene, sehr spezielle Art gehabt, Musik zu machen. Kreativ und aktuelle Rap-Trends ignorierend war und ist RZA immer unberechenbar.
Sei es nur hinter den Reglern als Produzent oder selbst in der Gesangskabine als Rapper, RZA ist gewöhnungsbedürftig, anders und längst nicht jedermann Sache.
Der beste Rapper ist RZA sowieso nicht, das weiß er sicherlich auch selber, dennoch verleiht er seinem Alter-Ego Bobby Digital stets das gewisse Etwas, was den Ghetto Superhelden so außergewöhnlich besonders macht.
Ich persönlich habe die seltsame Art des futuristischen Charakters Bobby Digital immer geliebt. Der Retro- Zukunftsfilm von dem mittlerweile zehn Jahre alten Bobby Digital In Stereo oder das komplett verrückt machende, dich aber wie eine Kugel treffende Digital Bullet haben sich zwar kaum geähnelt, waren aber dennoch Ausdruck der anderen Seite RZA’s, die er nicht mit den Wu-Tang Produktionen kombinieren konnte.
Niemals an Kreativität hapernd, wahnsinnig, ultra-komplex, mit schmutzigen, verrückten und loopy Beats, anspruchsvoll und doch auch als Hintergrundmusik geeignet, lyrisch reich, trocken und doch unglaublich soulful, hat Bobby Digital sich in die Herzen derjenigen eingeschlichen, die etwas Besonderes, Noch-nie-da-gewesenes abseits vom Mainstream und dem „gewöhnlichen“ Bild von Hip Hop gesucht haben.
Bobby Digital, ein unrealer Charakter, der dennoch in seiner eigenen Welt lebt, enstand dadurch, dass ” …a brilliant virtous doctor in the 21st Century, experiments with a strong potion called Digital Elixir that transforms him into a powerful being that struggles with the good and evil within himself…”
Mit der Rückkehr von RZA’s larger-than-life Superhelden Bobby Digital auf Digi Snacks erwartet Fans immer noch eine raue Reise durch eine Welt voll Sex, Drogen, Alkohol und Knarren. Trotzdem ist dieses Album nicht, wie man es erwartet hätte. Doch war ein Wu-Tang Album, geschweige denn „Digital Bullet“ jemals so, wie sein Vorgänger? Nein, und daher fiel es mir auch leicht, anspruchslos an das neue Werk heran zu gehen.
Dieser letzte Beitrag zur Bobby Digital Trilogie scheint sehr durch RZAs letzte Projekte beeinflusst zu sein. Auf Digi Snacks ist eine wundervolle Ehe zwischen dem pimp-igen Charakter Bobby Digital und den mysteriösen, aufregenden Grooves von den Soundtracks der Filme Ghost Dog, Kill Bill oder Afro Samurai (oder selbst 8 Diagrams) zustande gekommen.
Das gesamte Album erinnert mich sowieso sehr an einen Soundtrack zu einem noch nicht existierenden „Bobby Digital Blaxploitation Anime Film“. Es scheint, als würde man während des Hörens in die Welt des Mr. Digitals abtauchen. Die Tracks gehen meist harmonisch in einander über und das gesamte Album erzählt eine große Geschichte.
Der Track (plus zugehörigem Video) „You Can’t Stop Me Now“ – mit Inspectah Deck als einzige Single ein Wu-Tang Mitglied featurend – ist die perfekte Leadsinge für Digi Snacks. Das von u.a. MF Doom oder Mos Def bekannte Sample wird hier zum passenden, retro Aufhänger der Album-Story.
Mit dem Intro und dem ersten, wunderbaren Track der LP „Long Time Coming“ feat. Danny Keyz und dem Titeltrack, verspricht das Album zunächst also eine gelungene Wiederkehr des Superstars. Dann kommt aber plötzlich das von David Banner produzierte, ihn featurende und auf einem Jay-Z Sample basierende „Straight Up The Block“. Was hat sich RZA bei diesem Song gedacht? Abgesehen davon, dass er gar nicht ins Konzept des Albums reinpasst, ist er eben ein David Banner Track, kein Bobby Digital Lied, und daher nicht nur völlig überflüssig sondern auch schlecht. Einzig beeindruckend ist der Fakt, dass Bobby plötzlich die französische Sprache zum Rappen nutzt.
„No Regrets“, „Drama“ und „O Day“ sind die weiteren Tracks, die das Runde, die Einigkeit, das Ganze dieses Albums etwas kaputt machen. Sie sind die einzigen Tracks, die mich plötzlich aus dem Vibe reißen und die Fernbedienung bzw. deren Skip-Taste suchen lassen. Schade, denn ansonsten liefert Bobby Digital ein Meisterwerk, welches es in dieser Art noch nicht gegeben hat. „Up Again“, „Put Your Guns Down“, „Love is Digi“ und der Bonus Track „Don’t Be Afraid” sind meine Lieblingstracks. Wäre das gesamte Album noch etwas mehr, wie der letzte Track, dann würde ich wohl nicht noch diese eine leere Stelle in diesem Album fühlen.
Ich kann leider nicht raus finden, was es genau ist, das bei diesem Album fehlt. Liegt es vielleicht an der kurzen Zeit, in der das Album entstanden ist, an diesen einigen nicht so guten Tracks, an dem Fakt, dass Mef, Rae oder/und Ghost auf dem Album fehlen? Oder muss ich mich vielleicht noch etwas in das Album reinhören? Es scheint schließlich das Potenzial zu einem weiteren Klassiker aus dem Hause Wu-Tang zu haben.
Die Beats und Hooks beeindrucken mich zutiefst, auch die Features sind angebracht, die Sängerin Thea erinnert stark an Chrisette Michelle, Erykah Badu und Billie Holiday, George Clinton macht das Ganze Ding wirklich funky und insgesamt gefällt mir das Werk.
Bobby rappt in typischem, abgehacktem Flow auf die ruhigen, Kopf-zum-Nicken-bringenden, teilweise an Gruselfilme erinnernden, oft ohrwurmlastigen Beats. Diese sind erneut einzigartige, fantastische und unglaublich ausgereifte Produktionen. RZA hat sich über die Jahre nicht umsonst den Titel eines „super producers“ verdient.
Mit Digi Snacks offenbart sich eine finstere Welt, in der Superhelden wie Batman, Shaolin Kämpfer oder eben Bobby Digital real, nicht wegdenkbar und vor allem nötig erscheinen. Eine Geschichte von Rache, Verrat, Verführung, Hustlin’ und Pimpin’, die Bobby Digital der Welt mitteilen will.
Wenn man in diese Welt eintaucht und ein wenig in ihr bleibt, dann erkennt man ihre Schönheit. Abseits von dem Wahnsinn, den Wiederholungen (Loops) und der rauen Sprache (Raps) eröffnet sich ein Paradies– es ist nicht anders, als im wahren Leben. Wir stehen alle ständig im Kampf mit uns selbst, im Kampf zwischen Gut und Böse. "If you follow the character, he's always talking with himself between good and evil, trying to balance himself. Sometimes when you think you're all the way at the end, you're actually at the beginning."
RZA’s letzter Geniestreich ist eigentlich erst der Anfang von etwas Wunderbarem. www.myspace.com/rza 
 |